Sommer 2017. Wiederentdeckt: Otto Lange (1878 Sömmerda - 1957 Nordhausen)

 

Maler und Modell

Sein Auftrag lautete: "Bitte alles entsorgen und besenrein übergeben". Der Aufmerksamkeit des Gebäudereinigers ist es zu verdanken, dass ein großer Teilnachlass des ostdeutschen Künstlers Otto Lange nicht in einem Container landete.  Für eine fachliche Einschätzung und Vermittlung der Gemälde und Zeichnungen des Künstlers herangezogen, konnten wir sogleich ausschließen, dass es sich um den Dresdner Avantgarde-Künstler Otto Lange (1879 - Dresden -1944) handelte. Ein weiterer Künstler gleichen Namens lebte in Delmenhorst, nicht weit entfernt vom Fundort. Doch auch mit diesem stimmte der Malstil nicht überein. Falsche künstlerische Zuordnungen sowohl bei Lottissimo als auch in Art Price stifteten Verwirrung, aber führten uns schließlich anhand des Motivkreises auf die richtige Spur. Die Ansichten von Nordhausen und der Harzregion ermöglichten eine Verortung des Künstlers in Ostdeutschland und wir konnten ihn als einen, in der dortigen Region bis Mitte der 50er Jahre anerkannten Künstler und Kunstlehrer der Stadt Nordhausen nachweisen. Dr. Theilemann, Leiter des Nordhauser Stadtarchivs, bestätigte unsere Zuschreibung. Schließlich kam ein Kontakt mit der Urenkelin des Künstlers zustande, die sich über die wiederentdeckten Bilder sehr freute und uns bis heute mit Interesse verbunden ist. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals sehr für Ihr freundliches Entgegenkommen!

Langes Themenkreis umfasst Ansichten von Reisen in die Alpenregion, wo auch viele Portraits von Einheimischen entstanden, wie z.B. das Bildnis einer jungen Frau in Tuxer Sonntagstracht (s.o.), das er ausdrucksstark mit lockerem Pinselstrich einfängt. Landschaften der Harzregion, des Ostens um Nordhausen und der Ostsee. An der Küste entstanden in den 1930er Jahren eine Vielzahl exzellenter Bleistiftzeichnungen, die, immer konzentriert auf das Motiv, mit Detailgenauigkeit ebenso wie mit Aussparungen spielerisch umgehen. 

 

Otto Langes malerisches Werk weist Höhen und Tiefen auf - manchmal so sehr, dass wir uns fragten: ist das derselbe Maler?

Bedeutend ist dagegen sein zeichnerisches Talent. Eine Fülle von Bleistiftzeichnungen verdeutlicht dies auf eindrucksvolle Weise. Es wird kaum ein Tag vergangen sein, an dem Otto Lange nicht seinen Stift zückte und gekonnt, immer der Realität verbunden, ein Motiv auf das Blatt gebannt hat. Hervorragend ist sein Können als Portraitist.

Erfreulicherweise fanden sich für die Gemälde und Zeichnungen zahlreiche Käufer. Sogar ein Texaner auf Dienstreise blieb vor unserem Schaufenster stehen und war so begeistert, dass er gleich mehrere kleinformatige Gemälde kaufte, u.a. das sensible Kinderportrait von Erich Lange, dem Sohn des Malers, der als junger Mann im 2. Weltkrieg fiel. (s.o.)

Besonders freuen wir uns über die erfolgreiche Vermittlung eines Konvoluts von Ostsee-Zeichnungen an das Heimatmuseum in Hiddensee! 

"Zwei Leipziger Hugenotten sind zurückgekehrt"

So titelte die Leipziger Internet Zeitung im September 2017. Es handelt sich um die zwei besonders qualitätvollen Portrait-Gemälde des bekannten Erfurter Künstlers Jacob Samuel Beck (1715 in Erfurt; † 1778 ebenda), die in diesem Herbst durch unsere Vermittlung ihren Platz im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig gefunden haben.

250 Jahre - 1767 wurden sie gemalt - konnten ihrem weltoffenen und klaren Blick nichts anhaben! Diese Unmittelbarkeit, die man bei der Betrachtung spürt und von einer fein akzentuierten Ausführung herrührt, gelingt nur den großen Meistern, zu denen auch der lange Zeit vergessene, spätbarocke Maler Beck zählt. Dies und die Geschichte der Familie mit französischen Wurzeln, überzeugten uns sofort, die gewünschte Vermittlung an ein Museum zu übernehmen.

Wohl behütet überdauerten die beiden Gemälde die Stürme der Geschichte und landeten mit den Nachkommen schließlich in Norddeutschland. Als Glaubensflüchtlinge aus Frankreich ließen sich die Dumonts im 18. Jhrd. in Leipzig nieder und Amy Dumont hatte dort mehrmals das Amt eines Kirchenältesten der evangelisch-reformierten Gemeinde inne. Als Bankier und Großhändler für Eisenblech konnte er seiner Familie ein gutsituiertes Leben ermöglichen. Die festliche Kleidung des Paares, ihre elegante Haltung und die jeweilige Andeutung eines Lächelns unterstreichen ihr Selbstverständnis. Ihrem gesellschaftlichen Stand und ihrer religiöse Haltung entsprechend, ist in diesen Gemälden, im Unterschied zu Samuel Becks zahlreichen Adelportraits, auf überflüssigen Prunk verzichtet worden.

 

Jacob Samuel Beck (1715 - Erfurt - 1778)

Halbportrait Amy Dumont (1724-1779). Öl/Lwd. Rücks. signiert, betitelt und datiert: "Amy Dumont Aetat: Suae 42 J.S. Beck pinx. 1767".  84,5 x 66,5 cm. Gerahmt. Deutl. feines Alterscraquelée. Minim. retusch.

 

Jacob Samuel Beck (1715 - Erfurt - 1778)

Halbportrait Catharina Margaretha Dumont. Öl/Lwd. Rücks. signiert, betitelt und datiert: "Catharina Margaretha Dumont gb. Kob Aetat: Suae 47 J. S. Beck pinx. 1767". 84,5 x 66,5 cm. Gerahmt. Deutl. feines Alterscraquelée. Minim. retusch.

 

 

Verborgen in 7 großen Kisten.

 

Gut verpackt und gehütet, eingewickelt in Unmengen von Zeitungspapier, hat ein kostbares Essgeschirr die vergangenen Jahrzehnte auf einem Bremer Dachboden überdauert. Es handelte sich um das sog. "Peitschenhieb" - Service des belgischen Jugendstilkünstlers Henry van de Velde (1863 - 1957).

Anhand von Fotos wurde uns im Winter 2015 das Geschirr präsentiert, mit der Bitte um eine Werteinschätzung und Vermittlung. Fasziniert von der Qualität und Schönheit des Entwurfs und der außergewöhnlichen Vollzähligkeit der Teile, übernahmen wir diese Aufgabe gerne.

Äußerst seltene Stücke, wie zwei Saucieren, eine Deckelschüssel, vier große ovale Vorlegeplatten sowie eine eckige und eine ovale Anbietschale vervollständigten des große Speiseservice, das Van de Velde 1903/04 für Meissen entworfen hatte. Das futuristisch anmutende Dekor in Kobaltblau erfreut sich heutzutage gegenüber Modellen, die Rot und Gold staffiert sind, bei Sammlern großer Beliebtheit. Jedes Stück wurde von uns einzeln in Augenschein genommen und der originale Erhaltungszustand beinah ausnahmslos als sehr gut befunden.

Das war umso erstaunlicher, da das Essgeschirr tatsächlich aus Dresden stammte und dort von der Meissener Manufaktur durch den Großvater unseres Kunden erworben worden war. Glücklicherweise war die Familie so weitsichtig gewesen, es noch vor dem großen Luftangriff der Alliierten im Februar 1945 auszulagern. So konnte es unbeschadet an die nächsten Generationen weitergegeben werden, um schließlich auf dem Bremer Dachboden fast in Vergessenheit zu geraten.

Nach unserer Wertschätzung entschieden wir uns für das Münchner Auktionshaus Quittenbaum mit Expertise im Jugendstilbereich. Dass dies genau die richtige Entscheidung war, zeigte sich am 11. Mai 2016, als das Service, aufgeteilt in mehrere Konvolute, für die Rekordsumme von 235.000 Euro (incl. Aufgeld) verkauft werden konnte!

"Nein, das ist kein Druck, sondern ein Aquarell !"

 

Im Sommer 2016 suchte ein älterer Herr unseren Rat bezüglich einiger Möbelstücke, die er geerbt hatte. Er zeigte uns Fotos von Biedermeier- und Stilmöbeln auf denen auch ein gerahmtes Landschafts-Bild zu sehen war. Sofort war unsere Neugier geweckt, doch der Kunde winkte ab und meinte, dass er damit bereits bei einem Auktionshaus gewesen sei und es sich lediglich um einen schwer verkäuflichen Druck handeln würde. Es brauchte einiges Zureden, bis er sich entschloss uns das Bild im Original zu zeigen. Bald darauf kehrte er mit dem großformatigen Bild zu uns zurück. Ein Blick genügte uns und wir konnten ihm sagen, dass es sich um ein sehr qualitätvolles Aquarell handelt und nicht um eine Auflagenarbeit oder gar einen neuzeitlichen Druck. Wir entrahmten das Blatt in der Hoffnung eine Signatur zu finden und Aufschluss über die Entstehungszeit zu erhalten.

Stilistisch wiesen die Malerei und das schwere Büttenpapier in das 18. Jahrhundert. Doch die äußerst begabte Künstlerpersönlichkeit blieb zunächst im Dunkel. Schließlich gab uns das Bild selber den entscheidenden Hinweis: Die Schäferin, aufgefasst als Repoussoir-Figur, streckt ihren linken Arm im Zeigegestus zum unteren Bildrand aus und hier fanden wir endlich Reste einer sehr feinen Bleistiftsignatur! Wir entzifferten den schwunvollen Namenszug Dietrich sowie weitere schwer leserliche Bezeichnungen sowie Reste einer Datierung. Entsprechend konnten wir das Blatt dem schon zu Lebzeiten berühmten und angesehenen Christian Wilhelm Dietrich, später auch Dietricy genannt, zuschreiben.

Südliche Ideallandschaft

Christian Wilhelm Dietrich ( (Weimar 1712 - Dresden1774, zugeschr.

Mittig u. bez. Dietrich

Aquarell/Bütten, 51 x 68,5 cm, gerahmt.

 

Als Sohn des Hofmalers Johann Georg Dietrich, begann seine künstlerische Laufbahn bereits mit 12 Jahren bei A. Thiele in Dresden. Er stand früh unter der Protektion von August des Starken und dessen Ministers Brühl. 1741 wurde er dortiger Hofmaler. 1764 Ernennung zum Professor und Leiter der Kunstschule der Meißener Porzellanmanufaktur. International anerkannt, sind seine Werke in zahlreichen Museen vertreten.

 

Zur Freude unseres Kunden, konnten wir das außergewöhnliche Blatt an das Auktionshaus Stahl, Hamburg, vermitteln und es wurde dort für 2400,- Euro zugeschlagen.

ACHTUNG:  Freitag, 15. Juni 2018 bleibt unser Büro wegen eines Ortstermins geschlossen!

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Fischerhuder Malerin und letzte Weggefährtin Otto Modersohns Johanna Eißler (1901 Bruchsal - 1981 Fischerhude).

"Zinnien vor blauem Grund". Öl/Holz. Monogrammiert u. li. "JE"; rückseitig bezeichnet. 49 x 38 cm. gerahmt.